Kritik „Darmstädter Echo“, 15.3.2019

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Äppler ist Yoga zum Trinken

Von Susanne Hasenstab


Vor der eigentlichen Premiere am 20. März stellt das Babenhäuser Pfarrerkabarett sein neues Programm „Kuh ohne Deuter“ im Darmstädter Halbneun-Theater vor.

Bibelfeste Komödianten: Clajo Herrmann (links) und Hans-Joachim Greifenstein im Halbneun-Theater. Foto: Dirk Zengel

Bibelfeste Komödianten: Clajo Herrmann (links) und Hans-Joachim Greifenstein im Halbneun-Theater. Foto: Dirk Zengel

DARMSTADT – Da sind sie schon wieder: Kaum ist das Vorgängerprogramm „Judas hätte sich erhängt“ abgespielt, stehen Clajo Herrmann und Hans-Joachim Greifenstein schon wieder auf der Bühne. „Kuh ohne Deuter“ heißt das neue komödiantische Werk des unermüdlichen Ersten Allgemeinen Babenhäuser Pfarrerkabaretts. Ihr mittlerweile 13. Bühnenprogramm in 22 gemeinsamen Kleinkunstjahren führte das Duo am Donnerstagabend im voll besetzten Darmstädter Halbneun-Theater als Vorpremiere auf. Dass es sich quasi um einen Testlauf handelt, ist den beiden Akteuren nicht anzumerken. Der Text sitzt, die mitgebrachten Spickzettel müssen kaum zurate gezogen werden.
Der kuriose Titel spielt auf die alttestamentarische Geschichte an, als der ägyptische Pharao einst von dicken und dünnen Kühen träumte und ihm daraufhin vom Traumdeuter sieben fette, gefolgt von sieben mageren Jahren prophezeit wurden. Vorkehrungen treffen, so lautete danach die Devise. Und Vorkehrungen müsse auch die Kirche treffen, die zwar „fortlaufende Erfolge“ feiere, aber nur insofern, als ihr die Mitglieder davonliefen. Wie wäre es denn, so überlegen Greifenstein und Herrmann, wenn man all die Roboter taufen ließe, die uns bald als Pflegekräfte und Alltagshelfer umgeben werden? Ob sich so der Mitgliederschwund noch aufhalten ließe?
Wie gewohnt bewegt sich das Duo auch im neuen Programm auf religionsgeschichtlichem und sozialpolitischem Terrain, kritisiert Politikverdrossenheit, Vereinssterben und neumodische esoterische Entwicklungen, die der Hesse an sich ja gar nicht braucht, denn er hat ja seinen Äbbelwoi – und der ist schließlich „Yoga zum Trinke“. Sie preisen diese „hessische Lässischkeit“, die in ihrer Lakonie so typisch für diesen Landstrich sei, dass sie es verdiene, zum Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen zu werden.

In ihren Soloeinlagen können sich die Eigenheiten ihrer jeweiligen Bühnencharaktere bestens entfalten: Greifenstein mimt wie eh und je den cholerischen Schimpfer und Mahner, nimmt Werbespüche aufs Korn und zeigt dem Publikum zum Beweis sein neues Duschgel, auf dem „Sei frei, verrückt und glücklich“ steht, dabei wollte er ja nur sauber werden. Außerdem verzweifelt er an Fragen des modernen Menschseins, auf die ihm niemand eine Antwort geben könne: „Warum hängt sich mein PC uff, aber mei Wäsch net?“
Clajo Herrmann springt als Solist herrlich konfus von Thema zu Thema, schwenkt mitten im Satz um und kommt von Moses und den Ägyptern zur künstlichen Intelligenz, nur um dann noch schnell von seinen Erfahrungen mit der Partnerin im Schweigeseminar im Kloster Schmerlenbach zu berichten – „das erste Mal, dass ich bei sowas freiwillig das Protokoll übernommen hab“.
Das Publikum amüsiert sich zweieinhalb Stunden lang köstlich. Einige Kürzungen könnte das Programm vertragen, denn manche Einlagen sind dann doch eher Predigt als Komik, und scherzhafte Fragen wie die, ob Verheiratete wirklich länger leben als Singles oder ob es ihnen nur so vorkommt, hat man schon oft zuvor an anderer Stelle gehört.
Die Zuhörer belohnen die beiden Akteure mit lang anhaltendem Applaus. Nach mehreren Zugaben ist definitiv Schluss. Es sei schon elf Uhr, ermahnt Clajo Herrmann die Fans, „Ihr Eintrittsgeld is uffgebraucht.“