Auftrittskritik Elsenfeld

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Gibt es ein Leben vor dem Tod?
Erstes Allgemeines Pfarrer (!) Kabarett bricht höchst unterhaltsam eine Lanze für bleibende Werte

Elsenfeld. Wenn zwei evangelische Pfarrer große Säle wie das Elsenfelder Bürgerzentrum füllen und bei gut 400 Zuhörern zwei Stunden lang Lachsalven und Begeisterungsstürme provozieren, dann kann es sich nur um Clajo Herrmann und Hans-Joachim Greifenstein handeln, das Erste Allgemeine Pfarrer (!) Kabarett, das seit 22 Jahren mit inzwischen 13 Programmen unterwegs ist und bis heute schon rund 1500 Mal bewiesen hat, dass religiöse, ja sogar kirchliche Themen auch in unserer säkularisierten Zeit und Gesellschaft noch Interesse finden. Menschen hören diese ganz besonderen Art von „Predigten“ gerne, wenn sie unterhaltsam, witzig und pointiert präsentiert werden. Und schließlich kreist ihr Programm ja auch um eine ganz zentrale Frage: „Gibt es ein Leben vor dem Tod?“

Die beiden Pfarrer – der ehemalige und der noch aktive – hatten sich eine schöne Ausgangssituation ausgedacht: Durch den Hype des Reforma-tionsjubiläums war die evangelische Kirche vom „Jammerlappen der Weltreligionen“ zum viel gefragten „Weltmarktführer“ aufgestiegen und konnte sogar „mehr Clicks als der Vatikan“ vorweisen. In dieser Situation herrscht Stress, denn jeder will vom „Weltmarktführer“ ein ethisches Gutachten, sogar die Deutsche Bank, und dann ist man natürlich zu moralischen Statements und zu Predigten gezwungen.

Nur konsequent, dass also vor allem die Soloauftritte von Greifenstein schon ein bisschen an eine Predigt erinnerten, aber an eine, der man gerne zuhörte, wenn der 62-Jährige „auf 80 ist“ und im Arbeitsmantel eines Hausmeisters den moralischen Verfall der heutigen Gesellschaft am Ersatz des „Worschtebrots“ durch das „Lüchebeutelhalbklappbrötsche“ festmacht…..

Ein festes moralische Koordinatensystem prägte auch die Soloparts von Clajo Herrmann, der nachdenklicher, leiser und auch hintergründiger auftrat als sein Partner. Selten hat man einen Pfarrer mit einer zerlesenen Bibel in der Hand von der religiösen Botschaft des „Leben des Brian“ schwärmen hören, danach die tröstliche Versicherung, dass Gott nicht nur die Privilegierten im Blick hat, sondern „die Gurken aus der dritten Reihe nimmt und zeigt, was für ein guter Trainer er ist“……. Nachdenklich und manchmal auch tiefgründig waren seine Texte, aber manchmal auch sehr deutlich, schließlich will das Duo mit seinen Aussagen verstanden werden. Da darf man dann auch keine Angst vor Kalauern haben, denn die „Predigt“ soll ja auch unterhaltsam sein. Es ist klar, warum „Viagra fürs Hirn“ gefordert wird und wenn von Trump die Rede ist wird das Florett durch den schweren Säbel ersetzt: „Wie wird jemand Präsident, der dumm ist wie Brot?“ Noch deutlicher wurden sie, als sie die AfD aufs Korn nahmen, weil Fremdenfeindlichkeit etwas ist, wo für Greifenstein und Herrmann die klare Haltung wichtiger ist als Wortwitz und hintergründiger Humor. „Wer hetzt, soll auch mal das Gefühl haben, wie es ist, rennen zu müssen“ wünscht sich Herrmann……

Heinz Linduschka
„MAIN-ECHO“, 21.1.2019